Der Darm als „Superorgan“ – Interview mit Prof. Dr. med. Michaela Axt-Gadermann

Darm Michaela Dr. Axt-Gadermann

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Nur sehr wenige Themen genießen in der Alternativenmedizin so viel Aufmerksamkeit wie der Darm. Mittlerweile rückt das Thema jedoch auch mehr und mehr in den Fokus der Schulmedizin. Bereits Hippokrates von Kos sagte einmal „Der Tod sitzt im Darm“, was irgendwo im Umkehrschluss bedeuten muss, dass unser Wohlbefinden stark von unserer Darmgesundheit abhängig ist.

Heute habe ich die wunderbare Möglichkeit Frau Prof. Dr. med. Michaela Axt-Gadermann zum Thema Darmgesundheit zu interviewen. Unter anderem kennen wir sie aus den Büchern „Schlank mit Darm“, „Schlau mit Darm“ oder auch „Gesund mit Darm“. Lasst uns also gemeinsam in die spannende Welt des Mikrobioms – das ist übrigens der „moderne“ Begriff für „Darmflora“ – eintauchen.

Interview mit Prof. Dr. med. Michaela Axt-Gadermann

Liebe Frau Axt-Gadermann, ich freue mich sehr Sie heute als Interviewpartnerin für meine Leser und mich gewinnen zu können. Nachdem ich ein großer Fan Ihrer Bücher „Schlank mit Darm“, „Schlau mit Darm“ & Co. bin, würde ich gerne mehr über Sie erfahren. Stellen Sie sich doch bitte mal kurz vor!

Liebe Frau Moser, vielen Dank. Ich freue mich auch, dass Sie dieses spannende Thema aufgreifen. Mich interessiert und beschäftigt das Thema seit vielen Jahren. Ich bin Ärztin und Professorin für Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg und unterrichte unter anderem Anatomie, Physiologie, Krankheitslehre und Sport in der Prävention. An der Hochschule forsche ich zu verschiedenen Bereichen der Haut- und Darmflora.

Mit dem Thema Darmflora habe ich mich erstmals vor mehr als 20 beschäftigt. Damals lag das Thema aber noch nicht im Trend und vor allem fehlten Analysemethoden, um wirklich aussagekräftige Informationen über die Darmflora zu erhalten. Das ist heute ganz anders.

Immer häufiger liest man, dass der Mensch zu einem größeren Teil aus Bakterien, als aus menschlichen Zellen besteht. Ist da etwas dran? Wo befinden sich diese Bakterien und was ist deren Aufgabe?

In unserem Darm, auf der Haut und den Schleimhäuten leben rund 100 Billionen Bakterien. Das sind zehnmal mehr Bakterien als unser Körper Zellen hat. Man könnte fast sagen, wir sind mehr bakteriell als menschlich. Die Mikroorganismen stehen z.B. in enger Verbindung zu unseren Immunzellen. Immerhin befinden sich 70 Prozent aller Immunzellen im Darm. Über diesen Mechanismus kann eine gesunde Darmflora vor Allergien schützen und auch das Risiko für Autoimmunerkrankungen senken. Daneben gibt es einen direkten Draht zum Gehirn, den Nervus vagus. Über diese Verbindung können der Darm und die darin lebende Darmflora direkten Kontakt zum Gehirn aufnehmen und nachweislich Einfluss auf unsere Psyche nehmen. Den Einfluss der Darmkeime auf Depressionen, Stressempfinden, Ängste und auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose bezweifeln heute selbst seröse Wissenschaftler nicht mehr.

Außerdem produzieren die Bakterien zahlreiche Nervenbotenstoffe, Glückshormone (z.B. Serotonin und seine Vorstufen), Vitamine und Substanzen, die Entzündungen fördern oder bremsen können. Diese Substanzen gelangen mit dem Blutstrom zu jeder Zelle des Körpers. Deshalb ist der Einfluss der Darmflora auch so immens.

Nach Ihrem Buch „Schlank mit Darm“ war ich begeistert davon, dass Bakterien tatsächlich Einfluss auf unser Gewicht haben können. Könnten Sie uns erzählen, welche Bakterien unserer Figur schmeicheln und wie wir Einfluss auf deren Wachstum nehmen können? Gibt es hier bestimmte Lebensmittel in der Ernährung, die man häufiger verzehren sollte?

Unsere Darmbakterien sind dafür verantwortlich, wie viele Kalorien wir aus der Nahrung ziehen. Die Unterschiede in der Energieaufnahme zwischen einer „dicken“ und einer „schlanken“ Darmflora betragen rund zehn Prozent – über das Jahr summieren sich diese Kalorien auf acht bis zehn Kilo zusätzliches Gewicht. Daneben wird auch die Bildung von Hunger- und Sättigungshormonen sowie die Fettspeicherung durch die Zusammensetzung der Darmbakterien mitbestimmt. Wer über eine gesunde, schlanke Darmflora verfügt, dem fällt es deshalb leichter, abzunehmen.

Das Mikrobiom schlanker und übergewichtiger Menschen unterscheidet sich in einigen wichtige Punkten: Schlanke Menschen haben meistens eine insgesamt vielfältige Darmflora, bei Übergewichtigen ist sie eintöniger. Zudem findet man „gesunde“ Keime wie bestimmte Milchsäurebakterien oder Bifidokeime und Mikroorganismen mit so unaussprechlichen Namen wie „Akkermansia muciniphilia“ oder Bacteroidetes bei Schlanken, während die „guten Futterverwerter“ mehr Staphylokokken und Firmicutes beherbergen.

Um schlank zu bleiben, sollte die Darmflora möglichst vielfältig sein, d.h. es sollten viele unterschiedliche Bakterienstämme im Darm beheimatet sein.

Wer abnehmen möchte, muss seine „schlanken“ Keime gut füttern. Das geht gut mit präbiotischen Ballaststoffen, die wir in Porree, Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch, in Haferflocken und auch in abgekühlten kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln, Reis oder Nudeln finden.

Schlank mit Darm
Schlank mit Darm von Prof. Dr. med. Michaela Axt-Gadermann

Man hört auch immer wieder davon, dass die Psyche eine wesentliche Verbindung zu unserer Darmflora hat. Sind Darmbakterien das neue Antidepressivum der Zukunft?

Aktuelle Studien zeigen, wie eng Darm und Kopf miteinander verbunden sind. Wir kennen alle im täglichen Sprachgebrauch die Verbindung von Bauch und Kopf. Sorgen schlagen uns auf den Magen, wir haben ein gutes Bauchgefühl oder ein Problem bereitet uns Bauchschmerzen. Was aber vielen unbekannt ist: Auch Depressionen und Ängste können ihren Ursprung im Darm haben. Unsere Darmflora hilft uns, Stress gut zu überstehen oder auch den Schlaf zu verbessern. Sie fördert die geistige Entwicklung von Kindern und hält uns auch im Alter länger fit. Kurzum: Der Darm und seine Bakterien tragen eine ganze Menge zu unserem Glück und Wohlbefinden bei. Inzwischen hat man aber auch herausgefunden, dass eine Störung der Darmflora bei ADHS, Autismus, Reizdarmsyndrom und Parkinson eine Rolle spielen kann. All diese Aspekte und noch mehr spreche ich in meinem Buch an und gebe auch Tipps, welche Bakterien bei bestimmten Problemen helfen. In verschiedenen Studien ließen sich durch die richtigen Bakterien Depressionen lindern oder ADHS bessern. Wir selber konnten nachweisen, dass das von uns entwickelte Präparat „Madena Darmkur“ nicht nur die Darmflora auf „schlank“ programmiert und nach dreimonatiger Einnahme Allergien bessert, sondern wir konnten auch zeigen, dass bereits nach sechs Wochen der Stresshormonspiegel signifikant gesunken war. In der Plazebogruppe stellten wir keinen dieser Effekte fest.

Neurodermitis, Psoriasis, Akne und viele weitere Hautbeschwerden sollen mit einer gestörten Darmflora zusammenhängen. Warum eigentlich? Mich würde auch interessieren, ob es hier repräsentative Studien im Zusammenhang mit einer gestörten Darmbesiedlung gibt.

Ja, dazu gibt es inzwischen einige. Am meisten zu Neurodermitis und Allergien, dazu wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 3000 wissenschaftliche Arbeiten publiziert, von denen die meisten einen Zusammenhang sehen. Mehrere Untersuchungen fanden heraus, dass man bei kleinen Kindern bereits anhand des Mikrobioms sehr sicher vorhersagen kann, wer später unter Allergien oder Ekzemen leiden wird. Die Zahl der Bifidobakterien, Lactobazillen, Faecalbakterium prausnitzii oder Akkermansia muciniphilia waren deutlich verringert, dafür fand man zu hohe Werte für Staphylokokken, Clostridien und E. coli.

Bei Akne ließ sich feststellen, dass die Patienten überzufällig häufig über Magen-Darmbeschwerden wie Verstopfung, Bauchschmerzen und Blähungen klagten. Auch hier fand man Veränderungen der Darmflora.

Zu Schuppenflechte gab es bisher leider nur wenige Untersuchungen. Eine kürzliche erschienene belegt aber ebenfalls, dass sich die Darmflora von Psoriasispatienten deutlich von der Gesunder unterscheidet.

Was muss ich beachten, wenn ich meine Darmflora aufbauen möchte?

Man muss bedenken, dass jeder Bakterienstamm unterschiedliche „Fähigkeiten“ hat. Manche fördern Entzündungen, andere lindern sie, einige produzieren Histamin und verschlechtern dadurch allergische Symptome, andere fördern den Histaminabbau. Schon diese Beispiele zeigen, dass man bei der Behandlung von Darmflorastörungen nicht irgendein Präparat verabreichen darf, sondern gezielt die richtigen Bakterienstämme geben muss – und das ist eine Wissenschaft für sich. Wer zum Beispiel abnehmen möchte und ein Präparat mit den „falschen“ Keimen erwischt, wird mehr als enttäuscht sein. Bakterienstämme wie Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus reuteri oder Enterococcus faecium werden zum Beispiel zum Mästen von Tieren eingesetzt, weil sie die Kalorienausnutzung verbessern. Das gleiche passiert auch beim Menschen – auch sie nehmen zu, wenn sie diese Keime zuführen.

Wichtig sind aber auch die präbiotischen Ballaststoffe, die viel zu selten erwähnt werden. Experten sind sich inzwischen einig, dass Präparate, die nur probiotische Keime, aber keine präbiotischen Ballaststoffe enthalten, deutlich weniger wirksam sind, als Kombinationspräparate. Das liegt daran, dass sich nur 2 Prozent der Darmflora-Bakterien anzüchten und in Kapseln, Pulver etc. verabreichen lassen. 98 Prozent müssen sich selber regenerieren. Man unterscheidet nämlich zwischen Keimen, die Sauerstoff vertragen = Aerobier. Diese machen nur 2 % der Darmflora aus. 98 Prozent der Darmflora sind Anaerobier, d. h sie sterben bei Kontakt mit Sauerstoff ab und können deshalb nicht in Kapseln verpackt werden. Sie müssen sich selber regenerieren. Dazu benötigen sie eine gute Auswahl an präbiotischen Ballaststoffen wie Inulin, Pektin oder resistente Stärke.

Als Heilpraktikerin schicke ich in meiner Praxis bei diversen Beschwerden immer wieder Stuhlproben zur Untersuchung an Labore. Meiner Meinung nach hat die Gesundheit des Magen-Darm-Traktes einen großen Einfluss auf Krankheiten und unser Wohlbefinden. Als Arzttochter weiß ich aber auch, dass viele Schulmediziner nicht die gleiche Meinung zum Thema Mikrobiom vertreten. Wie ist Ihre Erfahrung als Ärztin – kommt das Thema auch langsam in der Schulmedizin an?

Ja, das stimmt, Ärzte tun sich damit oft schwer. Ich denke, das liegt daran, dass das Feld „Darmflora“ lange Zeit von Heilpraktikern besetzt war und deshalb in eine weniger wissenschaftliche Ecke verdrängt wurde. Man muss anerkennen, dass Heilpraktiker und Alternativmediziner schon lange das Thema Darmgesundheit mit der Gesamtgesundheit in Verbindung gebracht haben. Allerdings muss man kritisch anmerken, dass bis vor zehn Jahren die Behandlung eher „intuitiv“ erfolgte und nicht immer von Erfolg gekrönt war. In den 90er Jahren haben Alternativmediziner und Heilpraktiker ganz viele Erkrankungen auf eine Hefepilzbesiedelung des Darms zurückgeführt, streng zuckerarme Diäten verordnet und Pilzmedikamente verabreicht – leider häufig ohne (langfristigen) Erfolg. Heute weiß man, dass Hefepilze gar keinen so große Rolle spielen, sondern einfach nur ein Zeichen für eine Dysbiose, also eine Störung der Darmflora sind. Sie zu behandeln behebt das eigentliche Problem nicht. In den 90er Jahren waren aber die meisten Darmbakterien gar nicht bekannt. Mit den neuen Analysemethoden lässt sich inzwischen der Zustand der Darmflora sehr exakt mit bestimmten Krankheiten bzw. dem Risiko für bestimmte Erkrankungen in Verbindung bringen.

Ich denke, das Thema kommt langsam bei der Schulmedizin an. In meinen Vorträgen sind immer auch viele Ärzte oder Apotheker, die sich dafür interessieren. Man muss aber sagen, dass das Thema eben sehr, sehr komplex ist und man einige Zeit benötigt, um sich da einzuarbeiten. Im Praxisalltag gibt es ständig so viele Neuerung, dass nicht alle Mediziner sich damit beschäftigen wollen und können und auch nicht alle Apotheker können zu dem Thema schon gut beraten.

Vielen herzlichen Dank für dieses interessante Interview, liebe Frau Axt-Gadermann! Wir sind bereits jetzt schon auf weitere Publikationen von Ihnen gespannt.

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Die Madena Darmkur findet ihr hier: Madena Darmkur*

Außerdem hat Frau Prof. Dr. med. Michaela Axt-Gadermann sehr interessante Bücher zum Thema Darmgesundheit veröffentlicht: Die Bücher „Schlank mit Darm“, „Schlau mit Darm“ und „Schön mit Darm“ findet ihr hier*.

Es gibt ab Ende August auch ein online „Darm-Ernährungscoaching“. Das individuelle 10-wöchiges Online-Coaching enthält Infos, Rezepten und Lernvideos zum Thema Ernährung und Darmgesundheit. Man kann sich auch ein kostenlose E-Book zum Coaching herunterladen: http://www.hausmed.de/darm/

Ich hoffe euch hat unser Interview zum Thema Darm gefallen. Habt ihr weitere Fragen an Frau Dr. Axt-Gadermann? Möglicherweise wird es irgendwann in Zukunft nochmal einen Beitrag von uns geben.

Bis bald,

Eure Ailyn

Gesunde Ernährung für den Darm


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