Natürliche Verhütung nach der Geburt & in der Stillzeit

Natürliche Verhütung Stillzeit
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Heute freue ich mich die liebe Anne als Gastautorin zum Thema „Natürliche Verhütung nach der Geburt & in der Stillzeit“ begrüßen zu dürfen! 🙂

Anne Schmuck ist zertifizierte Beraterin für Natürliche Familienplanung (NFP) und Zykluswissen sowie Co-Autorin des Buches „Kenne deinen Zyklus“. Seit 2010 berät sie Mädchen und Frauen, die ihren Zyklus verstehen und sicher natürlich verhüten lernen möchten. In ihren Kursen, Beratungen und Workshops vermittelt sie Wissen über den weiblichen Zyklus und unterstützt Frauen darin, Symptome ihres Körpers wahrzunehmen, Zusammenhänge zu verstehen, Vertrauen in sich selbst zu gewinnen und zur Expertin für ihren Körper zu werden.

Sie wendet NFP seit über 13 Jahren an und hat selbst zwei Stillzeiten mit NFP erlebt. Mehr über Annes Beratungen und NFP findet ihr unter www.hormonfrei-verhüten.de.

Ich selbst (Ailyn) wendete vor meiner Schwangerschaft NFP als Verhütungsmethode, jedoch ebenfalls zur Kinderwunschplanung an. Auch in der Stillzeit ist es nach wie vor notwendig sich um das Thema Verhütung Gedanken zu machen, weshalb ich mich sehr freue, dass Anne sich in den folgenden Zeilen voll und ganz diesem Thema widmen wird. Los geht´s!

Natürliche Verhütung nach der Geburt und in der Stillzeit

Nach der Geburt ist alles anders: Dein Baby ist endlich da und krempelt dein Leben von der ersten Sekunde an gründlich um. Du schwebst zwischen Glückshormonen, Schlafmangel und Babyblues und deine Gedanken drehen sich plötzlich überwiegend um Stillen, Wickeln und Schlafen.

Auch, wenn viele Frauen in den ersten Wochen nach der Geburt eher wenige Gedanken an Sex verschwenden: Spätestens bei der Nachsorge-Untersuchung bei der Gynäkologin erwischt sie uns meistens doch, die Frage: „Und, wissen Sie schon, wie Sie jetzt verhüten wollen?“

Tatsächlich kann es – je nach Stillverhalten – auch schon relativ schnell nach der Geburt wieder zu einem Eisprung kommen. Sofern du also nicht direkt wieder schwanger werden möchtest, solltest du dir Gedanken um Verhütung machen. Dafür ist es nicht nötig, Hormone zu nehmen: In diesem Gastartikel liest du, wie du nach der Geburt und in der Stillzeit mit LAM oder NFP natürlich und sicher verhüten kannst.

Wer stillt, kann nicht schwanger werden?

Gleich vorweg: Stillen allein reicht nicht aus, um wirklich sicher zu verhüten. Der Prolaktinwert (Prolaktin ist das Milchbildungshormon, das dafür sorgt, dass deine Brustdrüsen Muttermilch produzieren), der schon während der Schwangerschaft ansteigt, wird durch das Stillen zwar zunächst aufrechterhalten, sinkt aber trotzdem in den Wochen und Monaten nach der Geburt langsam ab. Sobald das Prolaktin unter einen bestimmten Wert abfällt, gewinnen die Sexualhormone Östrogen und Progesteron in deinem Körper wieder die Oberhand, dein Zyklus kehrt zurück und es kommt zum ersten Eisprung nach der Entbindung  – und zwar meistens schon, bevor du das erste Mal wieder deine Periode bekommst. Du bist also bereits fruchtbar, bevor deine Menstruation zurückkehrt, und kannst auch an diesem ersten Eisprung vor der Periode schon wieder schwanger werden.

Wann genau deine Fruchtbarkeit zurückkehrt und du wieder schwanger werden kannst, ist von Frau zu Frau verschieden und hängt vor allem davon ab, ob und wie häufig du dein Baby stillst. 

LAM oder NFP?

Du hast zwei gute Möglichkeiten, nach der Geburt natürlich zu verhüten, und zwar abhängig davon, ob und wie viel du stillst: Du kannst dich an die Regeln der LAM (Lactational Amenorrhoea Method, das bedeutet so viel wie stillbedingtes Ausbleiben der Menstruation) oder an das Regelwerk der NFP (Natürliche Familienplanung) halten. Richtig angewendet, sind beide Methoden sehr sicher!

Du stillst voll: LAM

Wenn du über einen längeren Zeitraum voll stillen möchtest und nicht zufütterst oder abgepumpte Milch gibst, kommt die LAM für dich in Frage. Diese Methode vereinfacht die Verhütung mit NFP in der Stillzeit, kann aber nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen angewendet werden. LAM ist weltweit wissenschaftlich sehr gut untersucht und geht auf die Beobachtung zurück, dass bei vollem Stillen in den ersten 6 Monaten nach der Geburt mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit (Methodensicherheit 98 %) ein Eisprung nur dann stattfindet, wenn vorher eine Menstruation aufgetreten ist.

Nach den LAM-Regeln bist du nicht fruchtbar, so lange …

  • dein Baby keine andere Nahrung und keine andere Flüssigkeit als Muttermilch bekommt (auch kein Wasser oder Tee!)
  • du nicht abpumpst oder zufütterst
  • dein Baby keinen Schnuller bekommt
  • der Abstand zwischen zwei Stillmahlzeiten tagsüber nicht größer als 4 Stunden, nachts nicht größer als 6 Stunden ist
  • dein Baby noch jünger als 6 Monate ist
  • du außerhalb des Wochenflusses noch keine Blutung bekommen hast

Erfüllst du all diese Kriterien, kannst du davon ausgehen, nicht fruchtbar zu sein. Sobald einer oder mehrerer dieser Punkte nicht mehr auf dich und dein Baby zutreffen, sinkt der Verhütungsschutz deutlich ab, und du kannst die LAM-Regeln nicht mehr anwenden. Dann kannst du mit NFP weiterhin natürlich verhüten.

Du stillst nicht, nicht voll oder kannst die LAM-Regeln nicht anwenden: NFP

Wenn die LAM-Regeln nicht auf dich zutreffen, kannst du nach der Geburt und in der Stillzeit NFP anwenden, um die Rückkehr deiner Fruchtbarkeit zu beobachten und herauszufinden, ab wann du wieder schwanger werden kannst.

NFP bedeutet „Natürliche Familienplanung“ und ist eine Methode, mit der du lernst, deinen Körper so genau zu beobachten, dass du selbst fruchtbare und unfruchtbare Tage unterscheiden kannst. Bei richtiger Anwendung funktioniert diese Methode genau so sicher wie die Pille (Methodensicherheit 99,6 %). Dahinter steckt ganz nüchterne Biologie: Du bist nur an ungefähr 6 Tagen pro Zyklus fruchtbar, nämlich am Tag des Eisprungs selbst und an den 5 Tagen vorher, weil Spermien so lange in deinem Körper überleben und auf die Eizelle warten können. Während dieser Zeit verändern sich deine Körperzeichen – vor allem Temperatur, Zervixschleim und Muttermund – sehr deutlich. Hast du gelernt, auf diese Zeichen zu achten und sie nach einem festen Regelwerk auszuwerten, kannst du deine fruchtbaren Tage exakt bestimmen und weißt so ganz genau, wann du verhüten musst und wann nicht.

Wichtig: Um die Methode wirklich sicher anzuwenden, musst du das Regelwerk erlernen. Diese Regeln sind das Herzstück der Methode und nur, wenn du sie gut verstanden hast, ist NFP wirklich sicher! Wenn du schon vor deiner Schwangerschaft NFP angewendet und bereits Erfahrungen vor allem mit der Zervixschleimbeobachtung gesammelt hast, kannst du dir die genauen Regeln selbst mit Hilfe des Praxisbuchs „Natürlich und sicher“  anlesen. Wenn du noch keine Erfahrung hast und neu mit NFP anfangen möchtest, empfiehlt es sich, die Methode mit einer ausgebildeten NFP Beraterin zu lernen – gerade in den ersten Monaten mit Baby liegen deine Konzentration und dein Fokus einfach meist auf anderen Dingen, und auch Frauen, die NFP früher schon angewendet haben, fühlen sich in dieser besonderen Lebensphase oft trotzdem sicherer, wenn sie die genauen Regeln noch einmal mit einer erfahrenen Beraterin besprechen können. Dein Baby und /oder Partner sind in der Beratung natürlich herzlich willkommen!

Die NFP Regeln im Überblick

Ab wann genau du nach den NFP Regeln von Fruchtbarkeit ausgehen musst, hängt davon ab, ob und wie viel du stillst: Stillst du nicht oder nicht voll, sinkt das Prolaktin recht schnell ab und du kannst schon früh wieder einen Eisprung haben. Deshalb musst du in diesem Fall schon ab der 4. Woche nach der Geburt davon ausgehen, dass du wieder schwanger werden könntest. In diesem Fall kannst du direkt mit NFP beginnen und dich ab der ersten auswertbaren Temperaturhochlage an das „normale“ Regelwerk halten, das auch für Frauen außerhalb der Stillzeit gilt.

Wenn du voll stillst, dein Baby aber nicht nur oder nicht oft genug an der Brust saugt (du also die LAM-Regeln nicht anwenden kannst), darfst du in den ersten 10 Wochen nach der Geburt Unfruchtbarkeit annehmen – mit einer Ausnahme: Wenn du nach dem Ende des Wochenflusses ab der 8. Woche bereits wieder eine Blutung hast, musst du trotz Vollstillen von Fruchtbarkeit ausgehen. Stillst du voll und bemerkst in dieser Zeit keine Blutung, liegt die Wahrscheinlichkeit, wieder schwanger zu werden, bei unter 1 %. Ab der 11. Woche nach der Entbindung beginnst du damit, deinen Zervixschleim zu beobachten und so fruchtbare und unfruchtbare Tage zu bestimmen.

Sonderregeln für die Stillzeit

Da es bis zu deinem ersten Eisprung nach der Geburt eine unbestimmte Zeit dauern kann, gelten in deinem ersten Zyklus nach der Entbindung besondere Regeln, die sich vom normalen NFP-Regelwerk unterscheiden: Bis zur ersten auswertbaren Temperaturhochlage wird nur der Zervixschleim beobachtet und als einziges Zeichen ausgewertet, um fruchtbare und unfruchtbare Tage zu bestimmen. Deine Temperatur brauchst du also zu Beginn noch nicht zu messen – du kannst damit aber natürlich schon anfangen, um Routine zu gewinnen, und spätestens dann, wenn du glasigen, dehnbaren oder flüssigen Zervixschleim bemerkst, empfiehlt es sich, zur Kontrolle mit der Messung zu beginnen, um einen eventuellen Eisprung zu bestätigen. Auch wenn du eine Blutung bekommst, ist es sinnvoll, mit dem Messen zu beginnen, damit du mitverfolgen kannst, ob der Zyklus sich wieder einstellt und ein Eisprung stattfindet.

Erfahrungsgemäß macht sich die Rückkehr der Fruchtbarkeit sehr deutlich durch eine Veränderung des individuellen Zervixscheim-Musters bemerkbar. Du kannst also darauf vertrauen, dass die Beobachtung des Zervixschleims ausreicht, um unfruchtbare Tage zu bestimmen. Da die genaue Auswertung sich vom normalen Regelwerk unterscheidet, solltest du dich vorher in jedem Fall gut mit den Stillregeln vertraut machen und dich bei Unsicherheiten beraten lassen, um dir wirklich sicher zu sein. Sobald du deinen ersten Eisprung nach der Geburt in doppelter Kontrolle auswerten konntest, gelten wieder die normalen NFP Regeln, unabhängig davon, ob du noch weiter stillst oder nicht.

Funktioniert NFP in der Stillzeit?

Viele Frauen sind sich anfangs unsicher, ob sie trotz unruhiger Nächte ihre Temperatur messen können und ihre Werte überhaupt aussagekräftig sind. Wenn du dir darüber Gedanken gemacht hast, kannst du ganz unbesorgt sein: In aller Regel stört das Stillen deine Auswertung nicht. Du kannst NFP in der Stillzeit anwenden, auch wenn du mehrmals in der Nacht stillst oder aufstehst, weil dein Baby dich weckt. Für diese Zeit gibt es ein spezielles Zyklusblatt, in das du auch dein Stillverhalten eintragen kannst.

Tatsächlich ist die Temperatur nach der Geburt häufig erstmal etwas unruhiger oder verläuft wellenförmig. Das liegt aber meistens an zunächst noch niedrigen Östrogenwerten und gar nicht so sehr am gestörten Schlaf. Sobald es zum ersten Eisprung kommt, beruhigt sich erfahrungsgemäß die Temperatur und die Kurve ist gut auswertbar. Auch das Messen mit Baby ist in der Praxis einfacher, als du vielleicht denkst: Du kannst zum Beispiel während der ersten Stillmahlzeit in den frühen Morgenstunden deine Temperatur messen und danach mit deinem Baby zusammen nochmal einschlummern. Trau dich ruhig und probier es aus!

Natürliche Verhütung nach der Geburt Stillzeit
Anne Schmuck

Liebe Anne, ich danke dir für den wunderbaren Beitrag zum Thema Natürlich Verhütung nach der Geburt & in der Stillzeit! Davon können sicherlich sehr viele Frauen profitieren – einschließlich mir, da ich gerade ebenso noch voll stille. 🙂

Habt noch eine wunderschöne Woche und bis bald,

Eure Ailyn


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